Die Hausgemeinschaft des Priesterseminars mit Ihren Gästen

Kommunitätsfahrt ins Eichsfeld

Zu Gast in der katholischen Enklave des Bistums Erfurt

Die Kommunitätsfahrt dieses Wintersemesters führte unsere Hausgemeinschaft vom 10. bis 11. November 2018 ins Eichsfeld nach Thüringen, die Heimat von Kaplan Philip Theuermann, der in diesem Jahr für das Bistum Erfurt zum Priester geweiht wurde und im Pastoralkurs zehn Wochen bei uns in Paderborn im Priesterseminar gelebt hatte. Da viele von uns Kaplan Theuermann aus dieser Zeit noch kennen, war es schön, nun seiner Einladung, ihn in seiner Heimat einmal zu besuchen, zu folgen und dabei gleichzeitig einen wunderschönen Landstrich genau in der Mitte Deutschlands kennenlernen zu können.

Das Eichsfeld liegt, von Paderborn kommend, unmittelbar hinter der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. In den insgesamt nur wenig christlich geprägten neuen Bundesländern stellt das zu Thüringen gehörende Eichsfeld eine echte Besonderheit dar: Mit einem Katholikenanteil von ca. 70% an der Bevölkerung hat es sich bis heute als katholische Enklave behaupten können, trotz aller Repressalien, die die Menschen dort für ihren Glauben in Kauf nehmen mussten – sei es im Kulturkampf, als das Eichsfeld an Preußen fiel, in der Zeit des NS-Regimes oder zuletzt im Sozialismus der DDR. Die hohe Bindung an den katholischen Glauben liegt historisch in der früheren Zugehörigkeit zum Fürstbistum Mainz begründet. Ein besonderes Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung des Eichsfelds stellte der Besuch von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2011 dar.

Das Programm unserer zweitägigen Fahrt führte uns zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Pilgerorten des Eichsfelds. Unser Ausgangspunkt und zugleich Ort unserer Unterkunft war die inoffizielle „Hauptstadt“ des Eichsfelds, Heiligenstadt. Gleich nach unserer Ankunft konnten wir bei einer Stadtführung den Charme dieses reizvollen Städtchens kennenlernen, der maßgeblich durch seine drei großen Kirchen St. Martin, St. Ägidius und St. Maria zustandekommt. Dr. Thorsten Müller, Leiter des Eichsfeldmuseums, machte uns in seiner anregenden Führung jedoch auch auf viele kleinere Besonderheiten aufmerksam – so erfuhren wir beispielsweise, dass der bekannte Dichter Theodor Storm einige Jahre in Heiligenstadt gelebt hat. Natürlich durfte auch ein Besuch im überaus sehenswerten Eichsfeldmuseum nicht fehlen, wo Dr. Müller in einer Sonderausstellung zum Thema (Gegen)Reformation unseren Blick auf dieses bedeutende Thema der Kirchengeschichte weitete und verdeutlichte, dass es parallel zur Reformation Luthers auch ebenso bedeutende Reformbewegungen innerhalb des Katholizismus gab, die gerade auch im Eichsfeld maßgeblich durch die Jesuiten getragen wurden.

Der Nachmittag führte uns nach Etzelsbach, also an den Ort, den Papst Benedikt vor sieben Jahren besuchte. Seitdem er dort am 23. September 2011 bei seiner Deutschlandreise eine Marienvesper feierte, ist Etzelsbach auch überregional bekannt; dennoch hat sich der beschauliche Charakter als traditioneller Wallfahrtsort des Eichsfelds halten können. Nach einer kurzen Führung durch Pfarrer Stubenitzky, der für die Wallfahrtsanlage zuständig ist, feierten wir in der Kapelle die Hl. Messe.
Von Etzelsbach ging es dann direkt zum nächsten bedeutenden Wallfahrtsort, nämlich auf den Hülfensberg, wo ein altes romanisches Kreuz verehrt wird, das Christus als König und Sieger über den Tod darstellt. Auf dem Berg, der sich zu DDR-Zeiten wegen seiner Nähe zur Grenze im Sperrgebiet befand, ist heute ein kleiner Franziskanerkonvent angesiedelt. Einer der Brüder nahm sich die Zeit, uns Näheres zur Geschichte des Hülfensbergs zu erzählen, und gab uns aus seiner langjährigen priesterlichen Erfahrung heraus auch einige wertvolle Akzente für die eigene Berufung und Identität mit auf den Weg.
Den Abschluss des Samstags bildete ein hervorragendes Abendessen, das Kaplan Theuermann für uns organisiert hatte und sich um die berühmten Wurstspezialitäten des Eichsfelds drehte.

Am Sonntagmorgen verließen wir nach Laudes und Frühstück Heiligenstadt bereits wieder, um mit Kaplan Theuermann an seinem Einsatzort, der Kirche St. Josef in Mühlhausen, am Gottesdienst mit seiner Gemeinde teilzunehmen. Beim anschließenden Kirchenkaffee im Gemeindehaus bestand Gelegenheit, mit den Gläubigen in Austausch zu kommen, wobei wir immer wieder von der Bedeutung beeindruckt waren, die viele Menschen in der thüringischen Diaspora ihrem Glauben beimessen – eine Tatsache, die sich nicht nur an der hohen Zahl von Gemeindemitgliedern ablesen ließ, die zur Messe gekommen waren.
In Mühlhausen verabschiedete sich unsere Hausgemeinschaft von Kaplan Theuermann. Regens Dr. Michael Menke-Peitzmeyer bedankte sich herzlich bei ihm für seine Einladung und die großartige Organisation des Wochenendes. Für ihn sei es eine besondere Freude, Kaplan Theuermann, den er ja in der Ausbildung selbst für ein paar Monate begleiten durfte, nun nach seiner Weihe im priesterlichen Dienst in seinem Heimatbistum erlebt zu haben.

Vor unserer Rückfahrt nach Paderborn stand nun noch ein Besuch auf der Wartburg bei Eisenach an, die als Aufenthaltsort Martin Luthers, der hier seine Bibelübersetzung anfertigte, und gleichermaßen durch die heilige Elisabeth bekannt geworden ist. Bei unserer Führung lag neben diesen beiden bedeutenden Persönlichkeiten ein besonderer Akzent auf dem prachtvollen Interieur der Burg, mit dem im 19. Jahrhundert die Bedeutung der Wartburg als eines der deutschen Nationaldenkmäler zum Ausdruck gebracht wurde. Natürlich durfte auch ein Blick in die sogenannte „Lutherstube“ nicht fehlen, wo sich noch heute der berühmte Tintenfleck befindet, der der Legende nach entstanden sein soll, als Luther dort mit seinem Tintenfass nach dem Teufel warf.

Angefangen mit dem Eichsfeld über Mühlhausen bis hin zur Wartburg haben wir auf unserer Kommunitätsfahrt viele interessante Seiten Thüringens, bekanntere und unbekanntere, kennengelernt. Wir danken Kaplan Philip Theuermann und allen, die zum Gelingen dieser Tage beigetragen haben und uns die Schönheit dieser Gegend im Bistum Erfurt gezeigt haben, das immerhin auch Teil der Paderborner Kirchenprovinz ist.

Leostr. 19
33098 Paderborn

Telefon: 05251 206 7221
priesterseminar@erzbistum-paderborn.de