Recollectio I - SoSe 2019

„Er, Christus, ist das Haupt.“

Recollectio I – Sommersemester 2019

Zu Beginn des neuen Semesters, am Ende der Osteroktav und vierzehn Tage vor der Diakonenweihe zweier unserer Mitbrüder, freuten wir uns unseren Alt-Weihbischof Manfred Grothe zu ersten Recollectio des Sommersemesters 2019 in unserem Haus begrüßen zu dürfen.

Weihbischof em. Grothe, geboren in Warburg feierte vor wenigen Tagen seinen 80. Geburtstag. Nach seinem Abitur 1960, studierte er in Münster und Bochum zunächst Philologie, dann in Paderborn und München Philosophie und Theologie. Am 11. März 1967 wurde er zum Priester geweiht. Nach seinen Tätigkeiten als Vikar und Religionslehrer in Rietberg und Witten, als Präses des Kolpingwerkes in der Erzdiözese Paderborn und Assessor im Erzbischöflichen Generalvikariat, wurde er 1987 zum Domkapitular ernannt. In den Neunzigern war er Vorsitzender der Finanzkommission des Verbandes der Diözesen Deutschland und Stellvertreter des Generalvikars. 2002 wurde er Ständiger Vertreter des Diözesanadministrators und anschließend bis 2004 Generalvikar unseres Erzbischofs. Nach der Ernennung zum Apostolischen Protonotar, folgte 2004 die Bischofsweihe. Schwerpunkt war hierbei die Arbeit mit dem diözesanen Caritasverband. 2013 wählte ihn das Metropolitankapitel zum Dompropst. 2014 ernannte Papst Franziskus ihn zum Apostolischen Administrator im Bistum Limburg. Seit 2015 ist Weihbischof Manfred Grothe emeritiert.

Und so waren es viele Eindrücke und Erfahrungen, die Weihbischof em. Grothe uns in seinem Vortrag und bei unseren Fragen mit auf den Weg geben konnte. Als eine Art Überschrift, wählte er das vierte Kapitel des Epheserbriefs, aus dem er sich auch sein Bischofsmotto auswählte und auf das er innerhalb des Vortrags immer wieder zurückgriff. Immer wieder gab ihm dieser Brief die Kraft, aus dem er sein bischöfliches Wirken begründen und leben konnte. Der Epheserbrief beschreibt aus paulinischer Sicht die Gestalt der Kirche als Leib Christi:

 

Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens! Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.

Aber jeder von uns empfing die Gnade in dem Maß, wie Christus sie ihm geschenkt hat.  Deshalb heißt es: Er stieg hinauf zur Höhe und erbeutete Gefangene, er gab den Menschen Geschenke. Wenn es heißt: Er stieg aber hinauf, was bedeutet dies anderes, als dass er auch zur Erde herabstieg? Derselbe, der herabstieg, ist auch hinaufgestiegen über alle Himmel, um das All zu erfüllen. Und er setzte die einen als Apostel ein, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zuzurüsten, für den Aufbau des Leibes Christi, bis wir alle zur Einheit im Glauben und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zum vollkommenen Menschen, zur vollen Größe, die der Fülle Christi entspricht. Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, geschaukelt und getrieben von jedem Widerstreit der Lehrmeinungen, im Würfelspiel der Menschen, in Verschlagenheit, die in die Irre führt. Wir aber wollen, von der Liebe geleitet, die Wahrheit bezeugen und in allem auf ihn hin wachsen. Er, Christus, ist das Haupt. Von ihm her wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt durch jedes Gelenk. Jedes versorgt ihn mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst der Leib und baut sich selbst in Liebe auf. 

Eph 4,2-16

In seinen Aufgaben innerhalb der Verbände (Kolping-Jugend und Caritas) spürte er bei aller Diversität der Wahrnehmung ihrer Aufgaben, doch überall die Kraft der Liebe, die doch jeden Verband durchdrang. Er merkte es durc die dort tätigen Menschen, welche „voll und ganz“ hinter ihrer Sache und der Programmatik des Zeugnisses und der Verkündigung der Liebe standen.

Innerhalb der Verbände erlebte er etwas ganz Entscheidendes:

Du musst nicht für alles verantwortlich sein! Es gibt Menschen, die genauso hinter dieser Sache stehen.

Weihbischof em. Manfred Grothe

Das lehrte ihn große Gelassenheit; dies war ein großer Kraftquell für ihn. Denn auch wenn vieles innerhalb der Pfarreien wegbräche, es gebe immer Menschen, die noch voller Überzeugung seien. Und dies sei der Punkt, von wo aus er Zukunft gestalten möchte.

Als die Frage nach seinem Wirken als Apostolischer Administrator nach dem Finanzskandal im Bistum Limburg aufkam, betonte Manfred Grothe sein Bedauern um das Ansehen, welches das Bistum und seine Gläubigen während der Berichterstattung durch die Medien litt. Ohne Bischof Tebartz-van Elst persönlich anzugreifen, schilderte er sehr eindrücklich seine Wahrnehmung der Situation, welche er 2014 in Limburg vorfand und gab uns wichtige, sehr persönliche Gedanken mit auf den Weg: „Müssen Sie alles selbst machen, haben Sie keine Zeit mehr!“ Und vor dem Hintergrund des vierten Kapitels des Epheserbriefes, rat er uns, uns Klarheit über unser ganz persönliches Amtsverständnis zu verschaffen und für sich persönlich die Fragen zu klären: „Wer oder was will ich sein?“, „Wer sind die Menschen, zu denen ich entsandt werde?“, „Wo bringe ich mich mit dem ein, was mir gegeben ist?“.

Zum Schluss seines Vortrags kam Weihbischof em. Grothe auf das Priesterbild zu sprechen. Denn das Bild des Priesters bestimme nicht die sich verändernde Umwelt, sondern derjenige, der einen dazu berufen würde. Als Priester sei man im Amt ein alter Christus, ein zweiter Christus. Und damit sei das Priesterbild schon festgesetzt: Nämlich innerhalb der Heiligen Schrift.

Am Sonntag feierte Manfred Grothe die Heilige Messe mit uns. In seiner Predigt über den ungläubigen Thomas, münzte er die Gefühle des Thomas auf unsere heutige Lebensrealität um. Denn auch heute würde uns zugemutet werden, unsere Welt mit zwei Wahrheiten auszuhalten und dennoch überzeugt zu leben.

Man könne sich an augenscheinliche Tatsachen halten, denn hätte man lediglich die Materie, man könne sich aber auch völlig blind an den Glauben halten und naturwissenschaftliche Erkenntnisse vollkommen beiseiteschieben. Oder aber, man bemerke den augenscheinlichen Widerspruch und lebt mit dieser Spannung, denn Glaube heute sei mehr als zu vor ein Wagnis. Denn wie der Apostel Thomas die Finger in die Wunden des auferstandenen Christus zu legen, sei uns heute vergönnt.

Wir bedanken uns zum Schluss für den tiefen Einblick in seine Lebenserfahrungen, authentische Spiritualität und ein gelungenes Recollectionswochenende. Wir wünschen unserem Alt-Weihbischof Manfred Grothe für die Zukunft alles Gute uns Gottes Segen!

Recollectio I - SoSe 2019

Leostr. 19
33098 Paderborn

Telefon: 05251 206 7221
priesterseminar@erzbistum-paderborn.de

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